Antragsteller*in: | Sara Marie Schläger (LV Grüne Jugend Thüringen) |
---|
A4: Sara Marie Schläger
Selbstvorstellung
Sonntagabend, der 01.09.2024: die Grünen erreichen bei der Landtagswahl 3,2%. Und das, nach einem wirklich guten Wahlkampf. Ich war an diesem Abend in Erfurt und mir kamen bei den ersten Hochrechnungen fast die Tränen. Die AfD, eine rechtsextreme Partei, hat 32,8% erreicht. Das war wie ein Schlag ins Gesicht. Trotzdem gab mir dieser Abend etwas Hoffnung. Hoffnung auf einen Neuanfang in der außerparlamentarischen Opposition (APO) und darauf, dass es bei der nächsten Wahl besser werden könnte.
Das Thema der Landtagswahl war in meinem gesamten Freundeskreis ein sehr emotionales, da sich meine queeren Freund*innen und ich dadurch Sorgen um unsere Sicherheit machten. Von ein paar Seiten hörten wir, dass wir uns lieber über die Mehrheit freuen sollten, die demokratische Parteien gewählt haben. Das Problem geht allerdings nicht nur von der AfD aus, sondern auch von den anderen Parteien, die nicht handeln.
Das BSW ist eine politisch nicht einschätzbare blackbox von Putinfreund*innen. Die Partei wird weiterhin von Sahra Wagenknecht aus Berlin heraus gesteuert und diese stellt bundespolitische Forderungen bezüglich möglicher Koalitionen auf Landesebene. Bei der CDU gibt es genauso viele fragwürdig erscheinende Sachen. Friedrich Merz sagt, dass sich Frauen nachts aufgrund der Ausländerkriminalität unsicher fühlen und, dass die Lösung des Problems mehr Polizeipräsenz sei. Wie wäre es mit feministischer Stadtplanung und mehr Sicherheit für besagte Frauen durch Projekte wie die Erfurter Nachteulen? Stattdessen hält die CDU sich an den Themen Migration und Gendern auf. Sie unternehmen nichts, während die rechtsextreme Gewalt in Thüringen zunimmt. Das beste Beispiel dafür ist Gera. Wie kann es sein, dass Neonazis dort mit Baseballschlägern durch die Straßen laufen und die neue „Bürgerwehr“ gründen? Das alles macht mich verdammt wütend. Faschismus ist keine Meinung, sondern hat seit 1990 mindestens 219 Menschen getötet.
Aus dieser Wut ziehe ich neue Kraft, um mit euch, der Grünen Jugend Thüringen, für ein gerechtes Morgen zu kämpfen. Wir müssen gemeinsam unsere neue Position in der APO finden, damit wir nächstes Jahr einen starken Bundestagswahlkampf hinlegen können. Dabei ist mir vor allem die ländlichere Gegend wichtig, wo es noch keine Kreisverbände gibt. Auch dort muss die Bundestagswahlkampagne problemlos durchführbar sein. Denn dort gibt es linke Jugendliche, die für ihre Rechte eintreten wollen, allerdings nicht wissen wie. Sie lassen Anfeindungen in der Schule und Familienessen, bei denen die AfD-wählende Verwandtschaft über „die da oben“ herzieht, über sich ergehen. Diese Jugendlichen müssen wir mit einem Wahlkampf vor Ort abholen und empowern. Sie sollen, so wie viele von uns, in der Grünen Jugend einen Safespace finden, an dem sie sich frei entfalten können. Unser Ziel muss eine Neumitgliedergewinnung sein, die mit Strukturstärkung und -neuaufbau einhergeht.
Ich denke, als APO müssen wir das Geschehen im Landtag kritisch begleiten. Unsere Aufgabe wird in den nächsten 5 Jahren vor allem auf der Straße und bei Demos sein, aber auch Bildungsarbeit ist verdammt wichtig. Ob auf Social Media oder in den Kreisverbänden - wir müssen unser Wissen mit allen möglichst niedrigschwellig teilen, denn nicht jeder kann komplexe Fachtexte lesen.
In unserer Funktion in der APO müssen wir zudem über unser Verhältnis zu unserer Mutterpartei nachdenken. Wir müssen als Grüne Jugend Thüringen gemeinsam überlegen, was ein sinnvoller Umgang mit den Grünen ist, sowohl auf Landes-, aber auch auf Bundesebene.
Weitere wichtige Partner*innen werden die anderen linken Jugendorganisationen und die anderen Ost-Verbände sein. Der Bundeskongress hat gezeigt, dass der Osten ein wichtiges Thema ist und auch 35 Jahre nach der Wiedervereinigung nicht so stiefmütterlich behandelt werden sollte. Denn ohne die lokalen Dorf-Nazis, wäre das Aufwachsen im ländlichen Raum total schön. Wenn ich nach Erfurt fahre, hält der Zug am Bahnhof in Großrudestedt. Das Bahnhofsgebäude wird als Privatwohnhaus genutzt. Im Garten hängt eine AfD Flagge und in der Nähe vom Bahnhof findet man regelmäßig Hakenkreuze. Auf Dorffesten in Brandenburg wird „Ausländer raus“ zum Lied „L’Amour toujours“ gebrüllt, als wäre es das normalste der Welt. Das können wir so nicht stehen lassen. Keinen Fußbreit den Faschist*innen!
Mit der Zunahme des Faschismus in Thüringen, nimmt auch die Diskriminierung stark zu. Rassismus war im Jahr 2023 das Tatmotiv für 85 Angriffe, was aus den „Thüringer Zuständen“ der FSU Jena hervorgeht. Das ist eine alarmierende Zahl, da der Hass von rechts gegen viele marginalisierte Gruppen gleichzeitig geht. Dem können wir mit gezielter Awareness-Arbeit entgegenwirken. Wir müssen im Rahmen unserer Bildungsarbeit auf bestehende Denkmuster hinweisen und das Durchbrechen dieser in die Gesellschaft bringen. Besonders wichtig ist hierbei Intersektionalität, da unsere Vielfalt eine Stärke ist.
Politisiert hat mich im Sommer 2019 die Fridays for Future Bewegung. Damals habe ich erstmals angefangen mich mit Politik zu beschäftigen. Zur Grünen Jugend bin im Frühjahr 2022 durch die Corona-Politik gekommen. Ich war unzufrieden und wollte etwas verändern. Der KV Erfurt hat mich dabei total süß aufgenommen, obwohl ich einige Jahre jünger war als alle anderen. Eineinhalb Jahre war ich dort im Vorstand als Beisitzerin tätig. Überschneidend damit wirke ich seit eineinhalb Jahren in der Landes-Awareness-Gruppe mit. Aktuell bin ich Kreisschülersprecherin für Gymnasien im Schulamtsbereich Mittelthüringen.
Ich bin Sara Marie Schläger, 18 Jahre alt und wenn ich gerade nicht in der Schule sitze, findet man mich bei meinen Freund*innen oder beim Lesen spannender Artikel, da ich mich unglaublich gerne (politisch) weiterbilde und dabei häufig in rabbit holes lande. Ansonsten singe ich im Chor und kämpfe hoffentlich bald mit meiner starken Stimme als eure Vertretung auf Landesebene für ein besseres Morgen!
Mir ist es wichtig, dass die Grüne Jugend Thüringen weiterhin ein stabiler, links-grüner Verband bleibt, der jungen Menschen ein politisches zu Hause bietet. Daher kandidiere ich als eure Sprecherin und würde mich riesig über euer Vertrauen freuen!
- Alter:
- 18
- Geburtsort:
- Sömmerda