Antragsteller*in: | Luisa Otto (LV Grüne Jugend Thüringen) |
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A17: Luisa Otto
Selbstvorstellung
Ihr Lieben,
vor einer Woche hätte ich es noch arg lustig gefunden wieder als politische Geschäftsführerin der Grünen Jugend Thüringen zu kandidieren. But here I am again!
Der Rücktritt des GJ-Bundesvorstands und die Ankündigung eine neue Organisation zu gründen, löste in mir eher Sorge aus. Sorge vor dem Zusammenbruch von mühevoll aufgebauten Strukturen vor allem in Ost-Landesverbänden und der Schwächung linker Positionen innerhalb der GJ und der Partei. Bevor ich über die Bioklippe falle, würde ich gerne noch eine Runde im LaVo drehen und einen geordneten Übergang, als auch den Transfer von Wissen und Skills von der alten zur neuen Generation sicherstellen.
Im Mai 2023 bin ich aus meiner links-grünen Weimar-Blase zurück nach Südthüringen gezogen um dort als Klimaschutzmanagerin zu arbeiten. Das Ergebnis der Landtagswahl überraschte mich nicht sonderlich, aber ich war dennoch schockiert. Die gefühlte politische Stimmung und Vorgänge in Meiningen und Umgebung waren relativ identisch mit den Ergebnissen.
Ein rechter CDU-Kreisverband, welcher schon vor 10 Jahren dafür warb mit allen Parteien (d.h. auch mit AfD) zu sprechen. Einen Hans-Georg Maaßen zum Direktkandidaten zur Bundestagswahl machte und dieser zuletzt Mitgliederbeauftragter war. Und bei der Kommunalwahl Deals mit der AfD einging. Eine Brandmauer existierte hier nie!
Bewegungen auf der Straße gibt es fast nur von rechter Seite. Jeden Montag ziehen immer noch die Querdenker aggressiv mit Reichs- und Russlandflaggen durch die Innenstadt. Im Januar protestierten Bauern und Handwerker gegen die Ampel – blockierten Straßen stundenlang und führten Galgen mit sich. Zur selben Zeit regten sich Kolleg*innen über die „Klimakleber“ der Letzten Generation auf, obwohl diese noch nie in diesem Landkreis eine Straße blockiert hatten. Absurd! Auf die Anmeldung einer Demonstration gegen die Einführung der Bezahlkarte folgten Morddrohungen. Die Rechten nutzen schon seit Jahren die Straße um Druck auf die Regierungen auszuüben und wir bisher zu wenig.
Der Wegzug junger Menschen aus dem ländlichen Raum und die Perspektivlosigkeit der Bleibenden wird mit unzureichenden Ausbildungsstellen und Jobmöglichkeiten erklärt. Leider zu kurz gedacht. Dabei werden immer mehr wichtige Infrastrukturen für junge Menschen kaputtgespart und zurückgebaut wie der ÖPNV oder Jugendclubs. Die Bezahlung ist meist unterdurchschnittlich und die Arbeitsbedingungen schlecht. Veraltete Weltbilder (abweichen von Heteronormativität = schlecht) und Rechtsextremismus vertreiben zusätzlich eher progressive und links-denkende Jugendliche.
Was mir geholfen hat, war die Vernetzung mit anderen links-denkenden Menschen. Gemeinsam besuchten wir Demonstrationen, hielten die Stadt von Nazistickern und -symbolen sauber, lachten und weinen miteinander. Lasst uns nicht nur in unserer grünen Blase agieren, sondern nachhaltige linke Bündnisse schaffen… wir stehen doch nun alle vor relativ ähnlichen Problemen und Herausforderungen. Gemeinsam sind wir stärker!
Wir sind nun die Jugendorganisation einer Partei in der außerparlamentarischen Opposition. Das hat Folgen!
- Wir können nicht länger über grüne MdLs auf das Parlamentsgeschehen in Thüringen einwirken
- Wir haben viel weniger Geld zur Verfügung
Das heißt, wir müssen in den kommenden Jahren gemeinsam mit Bündnispartner*innen auf der Straße gesellschaftliche Mehrheiten für linke Politik organisieren und Druck von außen auf die Regierung und das Parlament aufbauen. Lest euch mal den Antrag von Luis durch, der ist super sinnvoll.
Natürlich sollten wir weiterhin auf die AltGrünen einwirken, damit diese irgendwann wieder im Landtag sitzen. Ich habe mich in den letzten 1-2 Jahren immer mehr von den AltGrünen entfernt, so wie viele andere GJ-Mitglieder auch. In dieser Zeit haben wir viele coole und stabile Mitstreiter*innen wegen dieser losten Ampel-Politik verloren. Ich halte nichts von einer erzwungenen schnellen Annäherung. Vertrauen muss erstmal wieder gewonnen werden! I mean, wie will man Bürger*innen von einer Partei überzeugen, von der selbst Mitglieder nicht mehr wirklich überzeugt sind? Ich finde es vollkommen legitim sich entweder langsam wieder an die AltGrünen heranzutasten oder weiterhin in Bündnissen auf der Straße für eine gerechte Gesellschaft zu kämpfen. Natürlich geht auch beides.
Da wir die nächsten Jahre weniger Geld zur Verfügung haben werden, müssen wir perspektivisch unsere Veranstaltungsformate anpassen. Mir ist dabei besonders wichtig Veranstaltungen so zu organisieren, dass auch Mitglieder abseits der Städtekette und mit einer Anreise von 2 Stunden daran teilnehmen können. Wie ich selbst mitbekommen habe, ist es mitten in der Woche nicht für alle möglich „mal schnell“ nach Erfurt oder Jena zu fahren. Lasst uns inklusiver sein und wieder mehr in die Fläche gehen.
Aufgrund von Austritten war leider nicht in jeder Ortsgruppe ein fließender Übergang möglich. Lasst uns im kommenden Jahr wieder einen verstärkten Fokus auf die Ortsgruppen legen und auch dort neue Mitglieder befähigen gute Arbeit vor Ort zu leisten. Zum Beispiel durch Skillsharing Formate wie einem OG-LaVo-Treffen oder Besuche des LaVos in den Ortsgruppen zur Moderation, Erstellung eines Jahresplans oder für Antragsworkshops. Die Ortsgruppen sind das Herzstück der Grünen Jugend.
Ab dem neuen Jahr 2025 werden wir auch keine Organisatorische Geschäftsführung mehr zur Erledigung vieler Aufgaben haben. Daher ist es wichtig die anfallenden Aufgaben gerecht auf alle LaVo-Mitglieder zu verteilen.
Ich würde mir wünschen, dass alle LaVo-Mitglieder Verantwortung übernehmen, regemäßig an Landesvorstandssitzungen teilnehmen und nicht immer Aufgaben bei ein und denselben Personen liegen bleiben. Des weiteren wünsche ich mir die regelmäßige transparente Kommunikation der eigenen Kapazitäten. Wir alle üben dieses Amt im Ehrenamt aus und haben auch noch ein eigenes Leben. Ich würde dem Amt der Politischen Geschäftsführung 6-7 Stunden in der Woche einräumen und vorrangig Aufgaben der Politischen Geschäftsführung erledigen, bevor ich weitere Aufgaben annehme.
Luisa Otto (sie/ihr)
Wohnhaft in Meiningen und Weimar
Seit Oktober Masterstudentin der Urbanistik (Stadt- & Raumplanung) an der Bauhaus Universität Weimar
& bald als Unterstützung für Thüringer Kommunen im Rahmen der Kommunalen Wärmewände tätig
2023 – 2024 Thüringer Basis Delegierte der Mitte-Ost-AG
2022 – 2023 Politische Geschäftsführung der GJ Thüringen
2021 – 2022 Beisitzerin im Landesvorstand der GJ Thüringen
Zahlreiche Teilnahme an Länderräten und BuVo-LaVo-Treffen
Meine früheren AltGrünen Aktivitäten bewegten sich in der LAG und der BAG rund um die Themen Planen, Bauen, Wohnen
Ich würde mich über eure Unterstützung freuen :-)
- Alter:
- 27
- Geburtsort:
- Bad Salzungen